LAQUÈFA – Rassismus in der Queer Community

… und GRENZEN DER TOLERANZ.

Mit Stolz und Freude präsentieren wir unseren ersten Guest Speaker in unserem Zoom-Talk zum eMotions-Project am Freitag, 13.11.20:

Ari, wie geht die Queer-Community mit Rassismus um?

Nicht gerade vorbildlich. Es wird über Vieles nicht geredet oder Vieles gibt es für die meisten nicht. Ich finde zwischen Ausgrenzung und Safe Spaces ist eine ganz dünne Linie die aber deutlich zusehen ist! Man braucht Safe Spaces – keine Frage! Aber man sollte aufpassen wie man es koordiniert und es preisgibt! Ich mache zudem einen Unterschied, zwischen Ausgrenzung und Rassismus. Ich war früher (und bin ehrlich gesagt immer noch) sehr naiv und blind. Ich habe immer an das Gute im Menschen geglaubt und bin daher sehr offen allen gegenüber gewesen. Trotzdem habe ich viel Ausgrenzung erfahren und auch Rassismus, wenn ich ehrlich zu mir selbst bin.

Wie hat sich für Dich die Akzeptanz der Queer-Community in den letzten 10 Jahren verändert?

Wir haben heute viel mehr Sichtbarkeit. Dadurch habe ich entschieden, mich über Social Media mehr zu präsentieren, obwohl ich am Anfang wusste, was das mit mir und ein Teil der Community macht. Mir ist jetzt bewusst geworden, dass ich mit der Sichtbarkeit auch angreifbar werde. Vieles aus unserem Lifestyle wird sogar nachgeahmt, wie z.B. Voguing Moves, Sprachen und Redeart. Mich stört es sehr, wenn Menschen sich einfach Teile aus unserer Kultur raus nehmen und nachmachen, ohne sich überhaupt damit zu beschäftigen wo es her kommt
und was es bedeutet. Menschen wollen immer nehmen aber nichts geben. Das ist
kulturelle Aneignung! Die Frage ist, was machen wir daraus, wenn uns das auffällt? Ich, für meinen Teil, gehe raus und verbreite in meinen Workshops
und Projekten, neben dem Tanz, auch Knowledge und sensibilisiere die Leute.
Früher habe ich Ausgrenzung auf Partys nicht nur in weißen Gruppen erfahren. Damals hatte ich auch schon gevogued und war ein Paradiesvogel. Viele queere Menschen haben sich darüber lustig gemacht oder hinter meinen Rücken mich nach gemacht. Ich hatte erkannt, das in Deutschland vorwiegend Cis weiße Hetero-Frauen voguen. POC’s hatten sich damals nicht getraut der Voguing Community beizutreten, weil sie da in der Minderheit waren und das obwohl the Voguing Movement von POC Trans Menschen erschaffen wurde.

Was möchtest Du nicht so gerne hören?

Ich lass mich nicht so gerne kategorisieren. Schließlich weiß man ja nie wo die Liebe hinfällt. Aber gerade bin ich zufrieden, wenn ich mich als stolzen schwarzen schwulen Menschen bezeichnen kann.

Wie sollte ich mich am besten verhalten, wenn ich als Newbie in die Szene komme?

Erstmal sollte man sich selbst mit dem Thema Ballroom und Voguing auseinander setzen (Internet/Bücher) und sich das Ganze mal angucken. Dann sollte man sich nochmal damit auseinander setzen und Fragen stellen! Es passiert so viel gleichzeitig. Einfach Fragen stellen! Nach dem „Ball“ am besten den Host oder die Judges fragen, was da passiert ist. Voguing hat seinen eigenen Slang. Hier gibt es sehr spezifische Kategorien, verschiedene Status und verschiedene Gender-Rollen. Es ist sehr komplex. Hierfür haben wir ein sogennantes Voguing Lexikon. Zum Beispiel gibt es Kategorien für OTA (Open to all), Drag Runway, Non-Binary und viel, viel mehr.

Wie wichtig ist der Tanz in der Voguing Szene?

Der Tanz ist schon ein sehr Großer Teil des „Ballroom“ aber für mich ist es nur ein kleiner Teil. Wichtig ist das Zusammensein in der Community. Man kann ganz individuell entscheiden, wie man sich einbringen will.

Ari, was bedeutet bei euch „Houses“?

Das kommt aus der Zeit, als Transfrauen und queere Leute aus der Familie verbannt wurden. Sie lebten auf der Straße. Viele prostituierten sich und nahmen Drogen. Die „Houses“ waren ihre neue Familie. Einige lebten in einer Wohngemeinschaft zusammen und waren für einander da. In einem Haus gibt es „Mother“ und/oder „Father“ und die „Children“. Heute leben die „Houses“ nicht mehr zusammen (soweit ich weiß), aber es sind Save Spaces und Gruppen mit Bezugspersonen, die immer für einander da sind.

Warum sagt man Cis?

Ich benutze das Wort, weil es aktuell in der Queer-Community gang und gebe ist es zu sagen. Man unterstreicht, das man mit dem Geschlecht geboren ist mit dem man sich auch identifiziert.

Was sind No-Gos in der Queer-Community?

Am besten Trans Menschen nie direkt auf das Geschlecht ansprechen oder fragen, ob die Transition schon vollkommen vollzogen ist. Frag nicht ob sie Trans sind und frag auch nicht nach der Sexualität! Diese Fragen sind nur dafür da um einen zu kategorisieren und in eine Schublade zu stecken. Es ist wichtiger Empathie gegenüber Menschen aufzubauen und nicht immer zu überlegen, was man jetzt sagen kann und was nicht.

Warum gibt es aber dann im Voguing so viele Schubladen?

Die Community die das gegründet hat, wollte Schubladen haben. Sie wollten zeigen, das Transfrauen genauso schön sind wie biologische Frauen. Sie zeigen sich sogar hyper-feminin und übersexualisiert, um zu zeigen das sie sogar „above“ Frauen sein können, wenn sie wollen!

Du arbeitest ja sehr viel mit Flüchtlingen, wie z.B. in Deinem Projekt FutureV. Warum?

Ich hatte das Gefühl, dass wir alle vor etwas flüchten – Familie, Krankheiten, Gesellschaft oder etwas anderem vor dem wir Angst haben. Ich bin selbst aus Angola gekommen und hatte erst mal niemand. Bis sich ein älteres Pärchen meiner angenommen hat. Heute frage ich mich, warum ich keine Community hatte, obwohl ich so viele Mensche kannte.

LaQuéfa St. Laurent aka LaQuéfa 007

My name is Ariclenes Agostinho Garcia (LaQuéfa St. Laurent) I am 26 years old and have lived in Berlin for 16 years now I moved to Leipzig. I was born and raised in Angola, where I started to dance. I discovered Voguing, in 2014. I fell in love immediately so I have practiced in Voguing ever since and have not got bored yet. I am also in a dancecrew used to knowen as “House of Melody” since 07. of July we became the first international chapter of the Iconic House of Saint Laurent and I have also my own danceproject called FutureV there I teach Queere Refugees voguing and how to express themselves.

Mini Q&A mit Ariclenes

  1. Wie alt bist Du? – Ich bin 27 Jahre alt
  2. Wo bist Du geboren und aufgewachsen? – Bin in Angola geboren aber in Deutschland aufgewachsen.
  3. Wie identifizierst Du Dich? He or She or? – Normal als he aber wenn och in Drag bin und in der Ballroom Community dann eher she.
  4. Was würdest Du Deinem jüngeren Ich sagen? – Das leben zu genießen und nie aufgeben! Mit anderen ehrlich und respektvoll umgehen!
  5. Was ist für Dich Pride? – Dass wir stolz sein können, dass wir gesund und munter sind und noch am Leben! Wir sollte dir Pride jede sekunde unseres Lebens leben und zeigen… denn wir leben nicht ewig.
  6. Wie hast Du das zelebriert? – Ich zelebrieren es jeden Tag an dem ich gesund auf wach und auf die Straße gehe!
  7. Was würdest Du zum Ausdruck bringen wollen in der Performance? – Ich denke ich würde mich auf meiner Herkunft und mein ziel konzentrieren und dass dann in Form einer performance zeigen
  8. Was willst Du nicht sehen/hören? – Bin offen für alles und man kann ja nur mehr lernen ob es jetzt negativ oder positiv ist werden wir dann sehen … also bin offen.
  9. Das Thema ist Hass: Ist Homophobie und Transphobie gerade in der Black
    Community ein starkes Problem? Oder nicht mehr und nicht weniger als in anderen gesellschaftlichen Gruppierungen?
    – Oh doch das Problem ist so groß, das ich denke dass wir erst gerade den Anfang machen! Oder besser gesgat dass wir noch sehr am Anfang sind!
  10. Was hast Du an Deutschland? – Ich habe Deutschland mein Dasein zu verdanken!
  11. Was hasst Du an Deutschland? – Rassismus gegen über Minderheiten, Rassismus in der Minderheit, Queer Spaces, Regeln, Polizei

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